Die Sicherheit des Reiters; kleine Geschichte und große Innovationen

30 August 2017

Wir sind bereits über diese Fotos in alten Alben unserer Reitställe gestolpert, auf denen die Reiter Hosen mit einem Gummiband unter dem Fuß, keine Reitchaps und ein Reitkappe aus Samt tragen… Ohne Kinnriemen. Die genormten Helme, die wir heute kennen, waren weder in den Clubs noch auf dem Turniergelände verbreitet! Jedoch liegt das Reiten in der Rangordnung der Risikosportarten an 10. Stelle hinsichtlich der Unfallhäufigkeit und an 3. Stelle hinsichtlich der Schwere (Quelle: L’Eperon.fr)

Da sich die breite Öffentlichkeit dieser Risiken bewusst ist, legt sie zunehmend Wert auf Sicherheit, daher werden – fast – systematisch ein Helm und immer öfter ein Rückenprotektor, eine steife Schutzweste, Airbags usw. getragen.

Was sagt das Gesetz heute zum Tragen eines Helms? Woher kommt die individuelle Airbag-Weste, die einen Boom erlebt? Wir haben einige Nachforschungen angestellt, um Ihr Wissen zu diesem Thema zu erweitern…

GELTENDES GESETZ UND TRAGEN DES HELMS

So erstaunlich das auch scheinen mag, im Abschnitt über Sicherheitsmaßnahmen in Reitzentren und Reitställen von Eigentümern sieht das französische Sportgesetzbuch keine ausdrückliche Helmpflicht beim Reiten vor… Artikel A322-127 legt nur fest, dass der Zustand des verwendeten Materials für Sattel und Zaumzeug weder die Sicherheit der Reiter noch die Gesundheit der Pferde gefährden darf. Eine Sicherheitspflicht ist zumindest nicht erwähnt… In den Reitzentren und Reitställen sind es Hausordnungen, die den Reitern die Reitkappe vorschreiben müssen. Sie müssen auch eine gewisse Zahl von Pflichten einhalten, darunter jene, die Kunden zu informieren! Erst seit 2003 ist die Einrichtung verpflichtet, das Tragen einer Reitkappe zu empfehlen. Zum Aushang dieser Empfehlung wird dringend geraten (zusätzlich zu einer Erwähnung in der Hausordnung, die verpflichtend ist). Erst 2013 wird die Empfehlung in eine Forderung umgewandelt; anders gesagt, auch wenn das Gesetz das Tragen eines Helms von den Reitern nicht verlangt, ist der Club verpflichtet, dies seinen Reitern vorzuschreiben, indem er es in seiner Hausordnung festhält… Es ist alles eine Frage der Verantwortung! Können Sie dem folgen?

sécurité cavalier horse pilot

 

Reitzentren müssen darüber hinaus jedem Reiter Kappen und Helme in gutem Zustand zur Verfügung stellen, die sich an die Kopfform der Teilnehmer anpassen, und gleichzeitig alles unternehmen, um Unfälle zu verhindern (Sportgesetzbuch Artikel A322).

Beachten Sie, dass derzeit über eine Vereinheitlichung der Norm für Reithelme auf europäischer Ebene diskutiert wird und sich nicht alle Länder der EU einig sind… Derzeit ist die Norm NF EN 1384 in Kraft (sogenannter „3-Punkt“-Helm: Schale, weiches Visier, Nackenschutz)

DER BEGINN EINER GROSSEN BEWEGUNG: DER AIRBAG FÜR REITER

Wenn man bis zum Anfang zurückgeht, dann erfolgte die erste Patentanmeldung für einen Airbag 1953 im Bereich der Luftfahrt. Zu Ende der 50er-Jahre machten Ford und General Motors Versuche mit Rückhaltevorrichtungen durch aufblasbare Kissen und 1973 wurde erstmals ein Airbag in ein Auto eingebaut. Die Airbags, die wir heute in unseren Autos kennen, wurden in den 80er-Jahren von Mercedes eingeführt.

Wie erfolgte der Übergang zum individuellen Airbag für den Sport? Über das Motorradfahren natürlich!

DER AIRBAG IM SPORT

1995 überträgt der japanische Hersteller Mugen Denko das Airbagsystem auf das Motorrad. Dieses wird wieder aufgegriffen und von Jahr zu Jahr verbessert, bis 2006 der erste individuelle Airbag erscheint, der eine CE-Zertifizierung bekommt. Er ist für die Sicherheit der Motorradfahrer gedacht, aber seine Verwendung geht auf den Ski- und Reitsport zurück; in diesen beiden Sportarten können die Stürze besonders schwer ausfallen! Bei den Motorrad Grands Prix wird der Airbag ab März 2018 verpflichtend sein. Denken Sie daran, dass 8 Nationen beim Skicross ihre Athleten und damit die Hälfte der Rennläufer bei der Weltmeisterschaft damit ausgerüstet haben!

sécurité cavalier airbag

Angesichts der Nachfrage im Reitbereich diversifizieren sich verschiedene Firmen, die Motorrad-Airbags vertreiben, zu unserem Sport hin. Der Airbag auf den Rennbahnen, in den Reitställen sowie auf dem Turniergelände findet seit Ende der 2000er-Jahre nach und nach mehr Verbreitung…

Wir denken darüber nach, wie man diesen Airbag möglichst platzsparend und optisch ansprechend machen kann. Wir haben die bestehenden Systeme getestet, haben die Erfahrungen unserer Athleten ausgewertet, von denen manche mit Airbag-Westen vertraut waren, und haben einen Spezialisten zum Thema hinzugezogen: In&motion, ein französisches Unternehmen, das auf die Entwicklung und Herstellung von Airbag-Systemen spezialisiert ist, die in Kleidung integriert sind, und Lösungen für Motorradfahrer und Skiläufer anbietet. Dank unserer Erfahrung mit innovativen Materialien konnten wir harte Textilien durch weiche, atmungsaktive Materialien ersetzen. Daraus sollte das Modell hervorgehen, das wir seit Juni 2017 vertreiben!

Reitprofis haben bei der Finalisierung des Produkts die Weichen gestellt, ganz wie im MotoGP und beim Skifahren. Ihre Beiträge lassen sich in einem Satz zusammenfassen: „Ein guter Schutz ist ein wirksamer Schutz, wenn man ihn braucht, auf den man aber die restliche Zeit vergisst.“

WHAT’S NEXT ?

sécurité cavalier airbag chute

Seit 2014 entwickelt In&Motion einen Airbag für Skifahrer, der bei Erkennung eines Sturzes automatisch auslöst. Es ist keine Verbindung mit einem Kabel mehr notwendig! Ein Algorithmus erfasst die ungewöhnliche Bewegung des Skifahrers und löst den Airbag vor den Aufprall durch den Sturz aus. Dieses System wird in Zusammenarbeit mit den Marken POC und Rossignol seit Juli 2016 vertrieben.

Angesichts der Entwicklung der autonomen Technologie können wir auf sein baldiges Aufkommen im Reitsektor hoffen… Sind Sie mit dabei? ?