Treffen mit einem Spezialisten für Pferdewohlbefinden
Anthony Boughaba Duplaix ist Pferdemasseur und Gründer des Unternehmens Anthika, das eine Reihe von Produkten rund um das Wohlbefinden des Pferdes anbietet.
Seit vielen Jahren Reiter in der Region Fontainebleau, bietet Anthony Pferdemassagen an, um den Pferden nach einem Wettbewerb zu helfen, sich zu erholen, sie aber auch auf die Belastung vorzubereiten und ihre Leistungsfähigkeit zu optimieren. Anthony erklärt hier, wie die Pferdemassage nicht nur als Quelle körperlicher Entlastung dient, sondern auch die einzigartige Verbindung zwischen Reitern und ihren Pferden stärken kann.
Die Ursache der Muskelverspannungen beim Pferd
Einfluss des Reiters auf die Muskelverspannungen
Horse Pilot: Wie beeinflussen das Gewicht und die Position des Reiters die Muskelverspannungen des Pferdes?
Anthony Boughaba Duplaix: Von Natur aus ist das Pferd nicht dafür geschaffen, einen Reiter zu tragen. Jedes Pferd kann alleine im Schritt, Trab oder Galopp laufen, rückwärts gehen und springen. Das Pferd kann sich sogar von Natur aus in gesammelten Gangarten bewegen. Das sieht man zum Beispiel bei ängstlichen Pferden. Man spricht hier vom angeborenen Bewegungsmuster.
Wenn es geritten wird, muss das Pferd lernen, mit dem Gewicht und den Anforderungen des Reiters zu arbeiten. Genau diese vom Reiter verursachten Ungleichgewichte wirken sich auf das Muskelapparat, aber auch auf die Gelenke, Bänder und Sehnen des Pferdes aus. Bei der Arbeit mit dem Pferd suchen wir daher nach dem, was La Guérinière als „Wiederherstellung der natürlichen Gangarten“ definiert.
Ein gerechtes Reiten begrenzt die Auswirkungen auf das Pferd, während ein zu restriktives und respektloses Reiten katastrophale Folgen haben und Erkrankungen des Bewegungsapparates fördern kann.
Aber der Reiter ist nicht die einzige Belastung für das Pferd. Das Equipment, das auf bestimmte Körperbereiche drückt, muss ebenfalls berücksichtigt werden. Die Herausforderung besteht darin, die Druckverteilung so gut wie möglich zu gestalten, damit das gerittene Pferd möglichst frei arbeiten kann.
Nicht zu vergessen ist die Hufpflege, die sich auf den gesamten Körper des Pferdes auswirkt. Viele Ungleichgewichte an den Füßen beeinflussen die Haltung des Pferdes und können Muskelverspannungen durch Kompensationen verursachen.
Die Auswirkungen der Belastung auf die Muskeln des Pferdes
HP: Wie wirken sich verschiedene Arten von Belastungen auf die Muskeln des Pferdes aus?
A.B.D.: Vor allem die Wiederholung der Bewegungen beansprucht die Muskeln auf die gleiche Weise und kann Traumata verursachen. Man beobachtet, dass Verletzungen bei Pferden je nach Disziplin variieren. Springpferde sind besonders anfällig für Sehnenverletzungen der Vorderbeine, während Dressurpferde, insbesondere auf hohem Niveau, eher Verletzungen der Hinterbeine haben, insbesondere des Sprunggelenks und des Fesselträgerbandes. Es ist daher notwendig, die Übungen zu variieren, um den Körper des Pferdes insgesamt zu beanspruchen.
HP: Wie erkennt man die ersten Anzeichen von Muskelverspannungen bei einem Pferd?
A.B.D.: Das Erste ist, das Pferd zu beobachten: wie es im Stall steht, wie es frei läuft (kalt oder warm), wie es auf das Putzen reagiert oder wie es die Füße beim Hufpflege gibt. Reiter verbringen viel Zeit auf dem Pferd und viel weniger zu Fuß, obwohl viele leicht erkennbare Anzeichen auf Verspannungen hinweisen können.
Vergessen wir nicht, dass das Pferd vor allem ein Lebewesen ist, bevor es ein Reitpferd ist. Das bedeutet, dass es Emotionen, Sensibilität und eine eigene Art der Kommunikation hat. Man muss dies berücksichtigen und ihm zuhören.
Zusammenfassend ist es wichtig:
- Das Pferd zu beobachten.
- Regelmäßig Bodentrainings anzubieten.
- Den Körper abzutasten, um Wärmebereiche, Empfindlichkeit und Muskelflexibilität zu erkennen.
Obwohl Spannung nicht unbedingt Schmerz bedeutet, wird dennoch empfohlen, sie schnell zu lindern.

Die Erholung des Pferdes optimieren
HP: Gibt es effektive aktive Erholungsmethoden für Pferde?
A.B.D.: Unter aktiver Erholung versteht man aerobe Belastung, also eine längere, aber wenig intensive Anstrengung. Um Ihrem Pferd eine gute Erholung zu ermöglichen, sollte es daher an den langen Zügeln für maximal 5 bis 15 Minuten traben, wobei es seine Geschwindigkeit selbst wählen darf. Schrittgehen ist keine aktive Erholung, sondern passive Erholung, die der aktiven folgen kann.
Damit diese Erholung effektiv ist, sollte sie direkt nach der Belastung erfolgen. Wenn man 10 Minuten wartet, ist sie weniger wirksam.
Worauf es bei dieser Erholung ankommt:
- Die Herzfrequenz zu senken, um sich der Ruhefrequenz anzunähern.
- Die Atemfrequenz zu senken.
- Die Temperatur zu senken und Milchsäure, die während der Belastung gespeichert wurde, abzubauen.
Aktive Erholung wird besonders nach intensiver Belastung empfohlen.
Die Erholung durch Pferdemassage optimieren
Vorteile der Pferdemassage für die Erholung
HP: Was sind die Hauptvorteile der Massage für die Erholung des Pferdes?
A.B.D.: Durch eine Massage wird die Blutzirkulation, das Lymphsystem, die Entgiftung, die Muskelflexibilität und die Gelenkbeweglichkeit beeinflusst.
Die positiven Effekte auf die Erholung sind daher vielfältig:
- Verringerung von Muskelkater
- Flexibilität und Beweglichkeit
- Erhalt des Bewegungsausmaßes
- Reduzierung von Schmerzen durch Belastung und Erkrankungen
Neben den direkten körperlichen Vorteilen spielt die Massage auch eine wichtige Rolle für die Psyche des Pferdes. Das körperliche und mentale Wohlbefinden hilft, Verletzungsrisiken zu reduzieren und die Leistung zu steigern. Als Reiter konnte ich die positiven Effekte des für mein Pferd durchgeführten Vorbereitungs-/Erholungsprotokolls selbst beobachten: Es konnte die Belastungen mit der Frische der ersten Tage absolvieren.
Darüber hinaus sind sich Reiter über die positiven Anzeichen nach einer Massage weitgehend einig. Man bemerkt ruhigere Pferde, die flexibler sind und schneller wieder für die Arbeit verfügbar.
Wie häufig sollte das Pferd massiert werden?
HP: Wie oft empfehlen Sie Massagen, um die Erholung eines Pferdes beim regelmäßigen Training zu optimieren?
A.B.D.: Es hängt von der Ausgangssituation ab. Meine Grundregel ist immer dieselbe: Anpassung. In der Regel führen wir monatliche Kontrollen durch. Um die Entwicklung zu optimieren, ist es wichtig, dass Reiter/Pfleger zwischen den Sitzungen an der Pflege teilnehmen. So sehen wir schöne Fortschritte.
Man muss jedoch bedenken, dass eine einzelne Sitzung das Pferd nicht zu 100 % entlasten kann. Das Lösen bestimmter Spannungen kann das Pferd in seinem Bewegungsmuster stören und Änderungen in der Nutzung seines Körpers bewirken, was wiederum weitere Spannungen verursachen kann.

Die Bedeutung der Vorbereitung für die Erholung
HP: Wie kann eine gute körperliche Vorbereitung die Erholung eines Pferdes beeinflussen?
A.B.D.: Der erste Schritt, um dem Pferd bei der Erholung zu helfen, ist eine gute Vorbereitung. Je besser das Pferd muskulär verfügbar ist, desto geringer ist die Belastung für seinen Körper und desto besser erholt es sich.
HP: Wie passt man das Trainingsprogramm an, um die Erholung zu optimieren?
A.B.D.: Das Trainingsprogramm sollte individuell erstellt und auf den Pferdetyp, das Alter, den Hintergrund und die Disziplin abgestimmt werden. Wie bereits erwähnt, sind wiederholte gleiche Bewegungen Hauptursache für Verletzungen. Daher ist es wichtig, die Aktivitäten und deren Intensität zu variieren.
Zum Beispiel, wenn ein Springpferd hauptsächlich für seine Disziplin arbeiten muss, um seinen Körper an die geforderte Belastung zu gewöhnen, wird es nicht jeden Tag 160 cm im Training springen. Hochleistungspferde springen im Training oft nie diese Höhen. Genau wie ein Marathonläufer nicht täglich 42 km läuft. Es ist daher unerlässlich, auch Ausdauer, Flexibilität und mentale Stärke zu trainieren.
Die Einplanung von Ruhephasen ist ebenfalls entscheidend. Auch wenn das Training wichtig ist, sollte man Übertraining vermeiden.
Außerdem ist das Alter des Pferdes zu berücksichtigen. Ein junges Pferd im Wachstum muss geschont werden, ebenso wie ein erfahrenes Pferd mit früheren Verletzungen. Einige Pferde müssen häufiger wiederholen, während andere besser ihren Geist schonen, indem sie Basisarbeit im Freien durchführen.
HP: Wie passt man die Vorbereitung eines Pferdes an seine Reaktion auf die Belastung an?
A.B.D.: Damit sich das Pferd entwickeln und seine Leistung optimieren kann, benötigt es zunächst einen angepassten Lebensraum. Pferde sind nicht dafür gemacht, 23 von 24 Stunden im Stall zu leben. Bewegungsmangel ist der größte Feind des Wohlbefindens.
Die Ernährung spielt ebenfalls eine zentrale Rolle. Das Pferd sollte vor allem heu nach Belieben erhalten.
Schließlich ist soziale Bindung entscheidend für die mentale Gesundheit. Pferde sind nicht für ein Leben allein geschaffen. Sie brauchen regelmäßigen Kontakt zu Artgenossen. Das ist in heutigen Strukturen nicht einfach, sollte aber so weit wie möglich angestrebt werden.
Gleichzeitig ist es wichtig, das Pferd zu beobachten und ihm zuzuhören. Es darf mal schlechtere Tage haben, das ist nicht dramatisch. Wenn es jedoch länger anhält, sollte ein Fachmann hinzugezogen werden.
Einige Tipps für die Pferdemassage
HP: Gibt es Bereiche, die bei der Massage bevorzugt oder vermieden werden sollten?
A.B.D.: Der gesamte Körper kann massiert werden, vom Kopf bis zum Schweif und an den Gliedmaßen. Die zu bevorzugenden Bereiche hängen von der Belastung und vom Pferd ab. Manche müssen gestärkt, andere entspannt werden, unabhängig von der Disziplin.
Bei der Massage reagieren verspannte Bereiche abnormal, wenn man sie berührt (Vibrationen, Bewegungen, Schmerzen…). Wenn die Verspannungen bestehen bleiben, nicht drängen und einen Fachmann hinzuziehen. Er kann Ihnen Ratschläge geben, wie Sie Ihr Pferd selbst massieren können.
Im Alltag sollten Sie die Bereiche bevorzugen, die dem Pferd positiv erscheinen, um eine gute Zeit mit ihm zu verbringen und die Bindung zu stärken.

Die Bedeutung eines Fachmanns
HP: Wann ist es ratsam, einen Fachmann für die Pferdemassage hinzuzuziehen?
A.B.D.: Es gibt kein Alter für eine Pferdemassage. Wettbewerb ist ebenfalls nicht erforderlich. Die Massage sollte in erster Linie präventiv sein. Es wird empfohlen, das Pferd vor dem Auftreten von Verspannungen massieren zu lassen. Der Zeitpunkt kann vor, nach oder sogar während eines Wettbewerbs sein.
Regelmäßige Pflege hat einen signifikanten Einfluss auf die Entwicklung des Pferdes.
HP: Wie erkennt der Fachmann spezifische Muskelprobleme und lindert sie?
A.B.D.: Zunächst hört der Fachmann die Vorgeschichte des Pferdes. Der Reiter/Pfleger kann die notwendigen Informationen am besten geben.
Dann ist eine Phase der Beobachtung in Bewegung und Palpation des gesamten Körpers unerlässlich, um die vorhandenen Probleme einzuschätzen.
Der Fachmann achtet besonders auf Anatomie und Zusammenhänge zwischen Arbeitsasymmetrien und Muskelverspannungen. Diese Informationen helfen, die Körperbereiche zu identifizieren, auf die gearbeitet werden soll, um beispielsweise die Hinterhand besser einzusetzen.
Es ist wichtig zu betonen, dass die Massage Teil eines Wohlfühlansatzes ist und der Masseur keinesfalls den Rat eines Tierarztes ersetzt.
Pflegeprodukte
HP: Welche Arten von Pflegeprodukten empfehlen Sie für die muskelbezogene Erholung der Pferde?
A.B.D.: Bevor man ein Produkt verwendet, empfehle ich zunächst Kälte, um den Körper abzukühlen. Eine gute Dusche bei hohen Temperaturen und Eis-Gamaschen für die Gliedmaßen helfen den Pferden sehr. Kälte sollte daher die erste Maßnahme sein.
Danach gibt es zahlreiche Pflegeprodukte für die Muskelregeneration. Es ist ratsam, eine Routine für jedes Pferd entsprechend seiner Bedürfnisse zu haben und die Bedeutung von Nahrungsergänzungsmitteln nicht zu unterschätzen.
Nach einer Anstrengung sollte zunächst an die Flüssigkeitszufuhr (Elektrolyte) gedacht werden. Bei heißem oder kaltem Wetter, wenn das Pferd schwitzt, ist Hydration der wichtigste Faktor für eine gute Erholung. Für mehr Komfort können Muskelentspannungsmittel und pflanzliche Ergänzungen mit entzündungshemmender Wirkung hinzugefügt werden.
Heute gibt es viele Massageöle, Kühlgels oder Tonerden. Meine Philosophie ist klar: Wer mehr kann, kann auch weniger. Ich setze auf ein an die Belastung angepasstes Protokoll. Nach jeder Sitzung ist nicht die volle Ausrüstung nötig.
Beispiel für ein Pflegeprotokoll bei einem Wettbewerb:
- Erster Tag: Lokalisieren Sie Verspannungen und massieren Sie sie mit Massageöl oder einfach mit der Hand. Verwenden Sie ein Gel, um die Sehnen zu entlasten.
- Zweiter Tag: Wiederholen Sie die Aktionen des ersten Tages und fügen Sie Tonerde hinzu, um die Verspannungsbereiche zu lindern. Leinsamenwickel können bei empfindlichen Hufen verwendet werden.
- Dritter Tag: Wiederholen Sie die Aktionen des zweiten Tages und variieren ggf. die verwendete Tonerde. Bei Sehnenproblemen und in Absprache mit dem Tierarzt können Zinkbänder angewendet werden.
Damit das Protokoll optimal auf Ihr Pferd abgestimmt ist, biete ich einen Begleitservice bei Wettbewerben an, unabhängig vom Niveau der Prüfungen. Alle empfohlenen Produkte sind zudem auf der Anthika-Website erhältlich.

Zusammenfassung zur Erholung durch Pferdemassage
Die Massage hat viele Vorteile für das Pferd und geht weit über die Erholung hinaus. Sie ist auch ein ausgezeichnetes Mittel, um Pferde auf die Belastung vorzubereiten und die tiefe Verbindung zwischen Reiter und Pferd zu stärken. Indem Sie die Massage in Ihre Wohlfühlroutine integrieren und sich von einem Fachmann helfen lassen, ermöglichen Sie Ihrem Pferd langfristige Leistungsfähigkeit.
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Foto-Credits: Benjamin Givoz / Instagram-Account: le_manege_noir.