Wir alle sind schon einmal auf diese Fotos in alten Alben unserer Reitställe gestoßen, auf denen Reiter Hosen mit einem elastischen Beinriemen tragen, keine Chaps und einen Samtreithelm… ohne Kinnriemen. Helme nach den heutigen Normen waren in den Reitvereinen oder auf Turnierplätzen nicht immer üblich. Dennoch liegt der Reitsport im Ranking der Risikosportarten an 10. Stelle in Bezug auf die Häufigkeit von Unfällen und an 3. Stelle in Bezug auf die Schwere (Quelle: L’Eperon.fr)
Bewusst über diese Risiken achten heutzutage immer mehr Menschen auf die Sicherheit der Reiter, indem sie fast immer einen Helm tragen und zunehmend Rückenprotektoren, steife Schutzwesten und Airbags nutzen.
Was sagt das Gesetz heute über das Tragen eines Helms? Woher kommt die individuelle Airbag-Weste, die derzeit immer beliebter wird? Wir haben ein wenig recherchiert, um Ihr Wissen zu diesem Thema zu erweitern…
GESETZLICHE VORGABEN & HELMPFLICHT: die Sicherheit des Reiters
So erstaunlich es auch klingen mag, im Abschnitt über Sicherheitsmaßnahmen für Reitvereine und Privatställe schreibt der Sportkodex nicht ausdrücklich eine Helmpflicht im Reitsport vor. Artikel A322-127 besagt lediglich, dass der Zustand des verwendeten Materials, des Sattels und des Zaumzeugs weder die Sicherheit der Reiter noch die Gesundheit des Pferdes gefährden darf. Eine Pflicht zur Sicherheit wird also zumindest erwähnt. In Reitvereinen und Ställen müssen die internen Regeln den Helm für Reiter vorschreiben. Sie haben auch verschiedene Pflichten, einschließlich der Information ihrer Kunden.
Erst seit 2003 ist die Einrichtung verpflichtet, das Tragen eines Helms zu empfehlen. Eine Aushangempfehlung wird dringend empfohlen (zusätzlich zu einem verpflichtenden Hinweis in der Hausordnung). Erst 2013 wurde aus der Empfehlung eine Pflicht; mit anderen Worten, auch wenn das Gesetz das Tragen eines Helms für Reiter nicht verlangt, muss der Verein seine Reiter dazu verpflichten und dies in seiner Hausordnung festlegen. Alles eine Frage der Verantwortung! Verstehen Sie?

Reitvereine müssen außerdem jedem Teilnehmer Helme in gutem Zustand bereitstellen, die zur Morphologie passen, und alles tun, um Unfälle zu verhindern (Sportkodex Artikel A322).
Aktuell wird über eine einheitliche Norm für Reithelme auf europäischer Ebene diskutiert, und nicht alle EU-Länder sind sich einig. Die derzeit gültige Norm ist NF EN 1384 (so genannter „3-Punkte-Helm“: Schale, weiche Krempe, Nackenbereich).
DER ANFANG EINER GROßEN BEWEGUNG: AIRBAG FÜR REITER
Ursprünglich stammt das erste Patent für einen Airbag aus dem Jahr 1953 aus der Luftfahrt. Ende der 1950er Jahre experimentierten Ford und General Motors mit Rückhaltesystemen über aufblasbare Kissen, und 1973 wurde erstmals ein Airbag in einem Auto installiert. Die Airbags, wie wir sie heute in unseren Autos kennen, wurden in den 1980er Jahren von Mercedes eingeführt.
Wie erfolgte der Übergang zum individuellen Airbag für den Sport? Natürlich über Motorräder!
Airbag im Sport
1995 übertrug der japanische Hersteller Mugen Denko das Airbagsystem auf Motorräder. Dieses System wurde in den folgenden Jahren weiterentwickelt, bis 2006 der erste individuelle Airbag mit CE-Zertifizierung auf den Markt kam. Er war für die Sicherheit von Motorradfahrern gedacht, aber die Nutzung wurde auf Ski und Reitsport ausgeweitet, Sportarten, in denen Stürze besonders gefährlich sein können. Bei den Motorrad-Grands-Prix wurde der Airbag ab März 2018 obligatorisch. Im Skicross haben zudem acht Nationen ihre Weltcup-Athleten mit Airbags ausgestattet, das sind die Hälfte aller Fahrer.

Aufgrund der Nachfrage im Reitsport haben verschiedene Hersteller von Motorrad-Airbags begonnen, auch für unseren Sport Produkte anzubieten. Airbags für Reiter in Reitställen, auf Turnierplätzen oder in Reithallen werden seit Ende der 2000er Jahre zunehmend genutzt.
Wir selbst haben daran gearbeitet, diesen Reiter-Airbag so unauffällig und ästhetisch wie möglich zu gestalten. Wir haben bestehende Systeme getestet, Erfahrungen von Sportlern gesammelt, die bereits mit Airbagwesten vertraut waren, und einen Experten zu Rate gezogen: In&motion, ein französisches Unternehmen, das Airbagsysteme in Kleidung für Motorradfahrer und Skifahrer entwickelt. Unsere Erfahrung mit innovativen Materialien ermöglichte es, steife Stoffe durch flexible und atmungsaktive Materialien zu ersetzen. Daraus entstand das Modell, das wir seit Juni 2017 vertreiben.
Wie beim MotoGP und Skisport haben uns professionelle Reiter bei der Fertigstellung des Produkts beraten. Ihre Kernbotschaft lautet: „Guter Schutz ist wirksam, wenn er notwendig ist, aber soll sich sonst unsichtbar machen.“
WHAT’S NEXT?

Seit 2014 entwickelt In&Motion einen Airbag für Skifahrer, der sich bei einem Sturz automatisch auslöst. Kein Kabel mehr notwendig! Ein Algorithmus erkennt ungewöhnliche Bewegungen und löst den Airbag vor dem Aufprall aus. Dieses System wird seit Juli 2016 in Zusammenarbeit mit den Marken POC und Rossignol verkauft.
Angesichts der Entwicklung autonomer Technologie können wir hoffen, dass diese bald auch im Reitsport verfügbar ist. Sind Sie bereit, Pilots?
Der Airbag wird nun unsichtbar und passt sich perfekt unter eine breite Palette von Kleidungsstücken an: Jacken, Blousons, Bomber, Trainingswesten. Dies ist kein Detail: Unser neuer Airbag ist der erste, der an die neuen, speziell für Reiter geschaffenen Normen angepasst ist: NF S72-800:2022!